25. Februar 2021 Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Barrierefreies Wohnen – welche Bodenbeläge eignen sich?

Bauliche Anlagen sind immer dann „barrierefrei“, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Vor allem älteren und gehbehinderten Menschen oder Rollstuhlfahrern sollen barrierefreie Bodenbeläge den Zugang zu wohnlich oder gewerblich genutzten Objekten erleichtern. Gefahren bestehen insbesondere, wenn glatte Böden nass werden, wenn der Bodenbelag schlecht verlegt ist oder durch die ständige Nutzung zu Stolperfallen führt. Oftmals gilt es auch im Objektbereich, also bei öffentlichen Gebäuden, speziell festgesetzte Baubestimmungen zu erfüllen, was die Barrierefreiheit anbelangt. In diesem Magazinbeitrag klären wir euch über die technischen Anforderungen an barrierefreie Fußböden auf und zeigen, welche Kategorien von Bodenbelägen sich am ehesten zum barrierefreien Verlegen eignen.

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1. Technische Anforderungen an barrierefreie Bodenbeläge

Um für gehbehinderte oder visuell eingeschränkte Menschen zu keiner Stolperfalle zu führen und Rutschgefahr zu minimieren, muss ein Bodenbelag rutschfest sein. Die Rauigkeit oder Rutschhemmung von Bodenbelägen wird meistens mit einem R-Wert im technischen Datenblatt angegeben, alternativ auch mit einem DS Piktogramm. Dieses bedeutet, dass der Reibungskoeffizient unter trockenen Bedingungen über 0,3 liegen muss (Stahl auf Stahl hat einen Reibungskoeffizienten von 0,2).

DS Piktogramm im technischen Datenblatt von Böden

Rutschsicherheit Fußboden DS

Vor allem in Eingangsbereichen, Innentreppen und Nassbereichen ist hier mindestens eine Rauigkeit ab R10 vorgeschrieben. Der R-Wert gibt die Haftreibung und damit die Rutschsicherheit an und lässt sich proportional zum Winkel einer schiefen Ebene interpretieren, bis zu der man nicht hangabwärts rutscht.

Eine rutschhemmende Wirkung kann insbesondere auch mit kleinen Fliesen erreicht werden, da der Fugenanteil höher ausfällt als bei großen Fliesen. Je nach Situation ist für Rollstuhl-Selbstfahrer die rutschhemmende Wirkung mit dem Rollwiderstand der Bodenbeläge abzuwägen. Je höher die Anti-Rutsch Eigenschaften sind, desto höher ist in der Regel auch der Rollwiderstand.

Stuhlrolleneignung bedeutet auch Eignung für Rollstühle

Neben der Rutschsicherheit sollte ein Bodenbelag auch für Stuhlrollen geeignet sein. Vor allem textile und elastische Bodenbeläge müssen für Rollstuhlen geeignet sein. Die Hersteller verwenden statt „rollstuhlgeeignet“ meist die Bezeichnung „stuhlrollengeeignet“ (Typ W).  Diese Angabe bezieht sich dann zwar auf Büro- und Schreibtischstühle, wird aber auch den Anforderungen von Rollstühlen gerecht.

Stuhlrolleneignung = Rollstuhleignung

Spiegelungen und visueller Kontrast zu Wänden

Bodenbeläge sollten sich zur Verbesserung der Orientierungsmöglichkeiten für sehbehinderte Menschen visuell kontrastierend von Bauteilen wie Wänden und Türen abheben. Spiegelungen und Blendungen sind zu vermeiden. Vor allem hochglänzende Bodenbeläge – wie zum Beispiel der Wineo 500 in Hochglanz-Optik –  oder PU-Lack mit Glanzeffekt sind daher zu vermeiden. Glanzeffekte erhöhen sich mit zunehmend glatten Oberflächen und bei Wasser- und Lichteinwirkung auf den Bodenbelag.

Antistatik

Die Bodenbeläge dürfen sich nicht elektrostatisch aufladen, d.h. sie müssen antistatisch sein, um als barrierefrei zu gelten. Moderne Vinyl- und PVC-Beläge unter einer Begehaufladung von 2 kV weisen daher meist folgendes Piktogramm auf:

<2 kV Begehaufladung Antistatik Bodenbeläge

Falls der Boden nicht antistatisch ist, kann er leitfähig verlegt und geerdet werden, aber auch eine nachträgliche Beschichtung und Versiegelung ist möglich.

Begeh- und Befahrbarkeit

Der Boden sollte fest verlegt sein, ist daher im Idealfall vollflächig verklebt. Eine lose Auslegung mit der Fixierung durch doppelseitiges Klebeband ist nicht barrierefrei. Die formschlüssigen Klick-Verbindungen von modernem Vollvinyl, Multilayer Vinyl, Parkett und Designbelägen reichen aber meist aus, dass auch schwimmend verlegte Böden als barrierefrei gelten. Die Oberfläche sollte auch fest genug sein, dass Gehstöcke und Rollstühle keine Eindrücke hinterlassen („Resteindruck“) – von daher ist ein Korkboden oder PVC eventuell nicht empfehlenswert. Der Bodenbelag sollte sich beim Drehen des Rollstuhls nicht aufwerfen. Von einem zu weichen PVC, lose verlegten Teppichfliesen oder Teppichboden mit zu hohem Flor ist daher abzuraten.

Ebenheit

Der Bodenbelag sollte vor allem eben sein, d.h. das Längsgefälle (Neigung) darf maximal 3% und das Quergefälle maximal 2% betragen. Die Oberfläche an sich muss auch eben sein; Höhenabsatze im Belag selbst sollten maximal 1,5 mm Höhendifferenz betragen. Fußbodenprofile – zum Beispiel in Türschwellen – sollten maximal 2 cm Höhe aufweisen. Stolperfallen, zum Beispiel nicht ausreichend fixierte Übergänge von PVC sind unbedingt zu vermeiden. Meistens werden unterschiedliche hohe Bodenniveaus durch konvexe Anpassungsprofile oder Übergangsprofile abgedeckt. Deren Montage (Unterprofil) sollte bereits vorab der Verlegung erfolgen.

Bodenniveau Barrierefreiheit Absätze

2. Empfohlene Kategorien von Bodenbelägen

Aufbauend auf den oben definierten Kriterien Rutschsicherheit, Stuhlrollen-Eignung, Antistatik, Ebenheit sowie Befahrbarkeit empfehlen wir für das barrierefreie Verlegen grundsätzlich Laminat, Vinylbeläge und Designböden. Darüber hinaus gelten auch folgende Kategorien von Böden als barrierefrei:

 

Interessant auch: Bodenbeläge für Kinderzimmer.

 

Lucas Wenzel

Online Marketing Manager

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Kommentare

Sarah Lehmann sagt:

Toller Beitrag zum Thema barrierefreies Wohnen. Schön, dass ihr dazu einige wertvolle Infos liefert!